Es ist ein besonderer Gottesdienst, den die Gemeinde Offenbach am Sonntag, 30. August 2026, erlebt. Die Kirchenbänke sind gut gefüllt, Familie und Freunde sind gekommen, und im Mittelpunkt stehen an diesem Vormittag nicht nur das Wort Gottes und das Heilige Abendmahl, sondern vor allem zwei Menschen: Bettina und Matthias Bäzner. Seit 25 Jahren sind sie verheiratet. Ihre Silberne Hochzeit wird zum Anlass, gemeinsam zurückzublicken – auf Entscheidungen, Begegnungen, Familie, Freundschaften und auf einen Glaubensweg, der immer wieder mit ihrem gemeinsamen Leben verbunden war.
„Der Mensch denkt und Gott lenkt“
Bezirksvorsteher Evangelist Steffen Möll eröffnet den Gottesdienst mit einem Gedanken aus 1. Johannes 3,1: „Seht, welch eine Liebe hat uns der Vater erwiesen, dass wir Gottes Kinder heißen sollen – und wir sind es auch.“
Für das Ehejubiläum verbindet er dieses Bibelwort mit einem Vers von Paul Gerhardt: „Ich weiß, mein Gott, dass all mein Tun und Werk in deinem Willen ruhn.“ Dazu passt das bekannte Sprichwort: „Der Mensch denkt und Gott lenkt.“
Evangelist Möll beschreibt, wie voll die Kalender heute sind. Beruf, Familie, Kinder, Gemeinde und zahlreiche andere Termine bestimmen den Alltag. Vieles lässt sich planen – manches jedoch nicht. Eine Erkrankung, ein beruflicher Wechsel oder eine andere unerwartete Entwicklung kann innerhalb kurzer Zeit bisherige Pläne verändern.
Umso wichtiger sei es, den Blick auf das zu richten, was tatsächlich Bestand habe. „Hinter einer Silberhochzeitsfeier steht 25 Jahre gemeinsamer Lebensweg“, sagt Evangelist Möll. „Da steht Zusammenwachsen dahinter, da stehen Höhen und Tiefen dahinter. Freude, Leid, Schwierigkeiten – alles.“
Genau dieser Rückblick steht an diesem Vormittag im Raum. 25 Jahre Ehe sind nicht nur eine Zahl, sondern eine lange gemeinsame Strecke mit vielen einzelnen Stationen.
Dankbarkeit für den gemeinsamen Weg
Evangelist Möll ermutigt dazu, nicht ständig auf das zu schauen, was noch fehlt oder anders laufen könnte, sondern wahrzunehmen, was bereits geschenkt wurde. Dankbarkeit bedeute, innezuhalten und zurückzublicken.
Im Leben von Bettina und Matthias gebe es dafür viel Anlass. Familie und Kinder gehören ebenso dazu wie langjährige Freundschaften und die Verbundenheit mit der Kirche. Manche Entscheidungen seien vielleicht nicht selbstverständlich gewesen. Trotzdem hätten beide sie gemeinsam getroffen und seien ihren Weg gegangen.
„Ihr habt es mit dem lieben Gott gewagt und habt festgestellt, dass alles gut so ist, wie es gekommen ist“, sagt Evangelist Möll. Darin liege eine Erfahrung, die über einen einzelnen Gottesdienst hinausreiche: Nicht jeder Weg lasse sich im Voraus erkennen.
„Wir sind es auch“
Im weiteren Verlauf richtet Evangelist Möll den Blick auf den Begriff der Gotteskindschaft. Er erinnert an einen Gedanken, den Stammapostel Helge Mutschler beim Besuch des Kirchenbezirks wenige Wochen zuvor formuliert hatte: „Von Gott geliebt bist du, in Gott verliebt bist du.“
Die Liebe Gottes, so Evangelist Möll, bleibe nicht ohne Wirkung. Sie könne Menschen bewegen und dazu bringen, diese Liebe weiterzugeben. Als Bild dafür nennt er den Schmetterling, der aus dem Kokon hervorgeht: Aus einer Raupe wird ein Wesen, das seine ursprüngliche Gestalt vollständig verändert hat und fliegen kann.
Auch bei Bettina und Matthias sieht Evangelist Möll diese Wirkung der Liebe. Bereits in Kindheit und Jugend sei ihr Glaube eng mit Freundschaften und Gemeinschaft verbunden gewesen. Später seien Ehe, Familie und die Verantwortung für andere Menschen hinzugekommen.
Dabei geht es ihm nicht allein um große Gesten. Gastfreundschaft, Zuhören, Zeit schenken und für andere da sein seien ebenfalls Ausdruck gelebter Nächstenliebe.
Eine offene Tür und ein offenes Herz
Bezirksevangelist Jens Schölzel greift diesen Gedanken auf. Er berichtet von einer persönlichen Erfahrung mit dem Silberhochzeitspaar: „Wer zu euch kommt, geht nicht hungrig nach Hause.“
Die Aussage sorgt für ein Schmunzeln, beschreibt aber zugleich mehr als die bekannte Gastfreundschaft des Ehepaares. Bezirksevangelist Schölzel macht deutlich, dass Teilen nicht erst dort beginnt, wo reichlich vorhanden ist. Es gehe darum, das, was man hat, mit anderen zu teilen.
Dazu gehöre auch, Menschen zuzuhören und ihnen Zeit zu schenken.
Bezirksevangelist Schölzel verbindet diese Erfahrung mit der Geschichte vom verlorenen Sohn. Auch wer Fehler gemacht habe oder sich entfernt habe, bleibe Kind seines Vaters. Der entscheidende Gedanke sei deshalb: „Ich bin sein Kind.“
Für die Silberhochzeit bekommt dieses „Wir sind es auch“ eine zusätzliche Dimension. Bettina und Matthias sind nicht nur einzeln Gotteskinder – sie haben über 25 Jahre auch ein gemeinsames „Wir“ entwickelt.
Christsein im Alltag
Evangelist Patrick Kneisel, Vorsteher der Gemeinde Offenbach, richtet den Blick anschließend auf die Frage, wie sich der Glaube im Alltag zeigt.
Wer sich als Gotteskind verstehe, werde auch daran gemessen, wie er sich gegenüber anderen verhalte. Das gelte im Beruf ebenso wie in der Nachbarschaft oder innerhalb der Gemeinde. Nicht immer gelinge es, dem eigenen Anspruch gerecht zu werden.
Gerade deshalb gehe es darum, sich immer wieder neu für das Gute zu entscheiden und Jesus Christus als Vorbild zu nehmen.
Evangelist Kneisel sieht diesen Anspruch auch bei Bettina und Matthias. In ihrem Umgang mit Familie, Freunden und Gemeindemitgliedern versuchten sie, ihren Glauben nicht nur mit Worten zu vertreten, sondern im Alltag zu leben.
Segen zur Silberhochzeit
„Des Menschen Herz erdenkt sich seinen Weg; aber der Herr allein lenkt seinen Schritt“, lautet der Vers aus Sprüche 16,9, den Evangelist Möll dem Ehepaar mit auf den Weg gibt.
Dann reichen sich Bettina und Matthias die Hände. Evangelist Möll spendet ihnen den Segen zur Silbernen Hochzeit und bittet um Gottes Begleitung für die kommende Zeit.
Der Gottesdienst endet mit einem Dankgebet und dem Abschlusslied. Die Silberne Hochzeit aber geht weiter: mit Familie, Freunden und der Gemeinde, mit Begegnungen und Gesprächen und mit einem Festtag, der vor allem eines sichtbar macht – 25 Jahre gemeinsames Leben.
1. September 2026
Text:
Andreas Wagner
Fotos:
Andreas Wagner
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