Organisation

Die Neuapostolische Kirche (NAK) ist eine weltweit verbreitete christliche Kirche mit nahezu neun Millionen Mitgliedern. In Deutschland bekennen sich etwa 335.000 Mitglieder zum neuapostolischen Glauben. Damit ist die Neuapostolische Kirche neben der Katholischen Kirche, der Evangelischen Kirche und den Orthodoxen Kirchen die viertgrößte christliche Kirche in Deutschland.

 

Gebietskirchen und Bezirksapostelbereiche

Neuapostolische Christen gehören einer für ihren Wohnort zuständigen Gebietskirche an. In der Regel sind mehrere Gebietskirchen in einem Bezirksapostelbereich zusammengefasst. Weltweit gibt es 16 Bezirksapostelbereiche. Gemeinsam bilden diese die Gesamtkirche unter der Leitung des Stammapostels als oberster geistlicher Instanz.

In Deutschland gibt es zurzeit vier Gebietskirchen: Berlin-Brandenburg, Nord- und Ostdeutschland, Süddeutschland sowie Westdeutschland.

Logo der Neuapostolischen Kirche an einer Außenfassade

Neuapostolische Kirche Westdeutschland

Die Neuapostolische Kirche Westdeutschland umfasst Gemeinden in den Bundesländern Nordrhein-Westfalen, Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Einige Gemeinden befinden sich auch in den benachbarten Bundesländern Niedersachsen und Bayern.

In allen deutschen Bundesländern besitzt die Neuapostolische Kirche den Status einer Körperschaft des öffentlichen Rechts (K.d.ö.R.). Kirchenpräsident und damit Leiter der Gebietskirche ist der amtierende Bezirksapostel, derzeit für Westdeutschland Rainer Storck.

Struktur der Gebietskirche Westdeutschland

Die Neuapostolische Kirche Westdeutschland hat über 115.000 Mitglieder. Diese versammeln sich in mehr als 520 Gemeinden. Mehrere Gemeinden sind jeweils zu einem rechtlich unselbstständigen Kirchenbezirk zusammengefasst.

Die Bezirke werden von einem Bezirksvorsteher geleitet, der in der Regel das Amt eines Bezirksältesten trägt. Ihm stehen Bezirksevangelisten als Stellvertreter zur Seite. Jeder dieser Bezirk gehört zu einem Arbeitsbereich eines Apostels, die bei der seelsorgerischen Betreuung ihres Arbeitsbereichs von Bischöfen unterstützt werden.

Das Zentrum des kirchlichen Lebens sind die Gemeinden. Mit ihrer Leitung sind Gemeindevorsteher beauftragt, die das Amt eines Priesters, eines Evangelisten oder Hirten tragen. Die Gemeindevorsteher werden von weiteren Priestern sowie Diakonen unterstützt.

Etwa 4.900 ehrenamtliche Amtsträger betreuen die Gemeindemitglieder.

Kirchenleitung Gebietskirche Westdeutschland

Die Verantwortung für die administrative Leitung der Neuapostolischen Kirche Westdeutschland trägt laut Kirchenverfassung der Landesvorstand. Mitglieder des Landesvorstands sind alle Apostel. Vorsitzender des Landesvorstands ist Bezirksapostel Rainer Storck. Er vertritt als Kirchenpräsident die Kirche nach innen und außen. Neben dem Landesvorstand ist die Landesversammlung ein weiteres Organ der Kirchenleitung.

Abstimmung in der Landesversammlung

Betreute Gebietskirchen

Die Neuapostolische Kirche Westdeutschland ist aber nicht nur eine deutsche Gebietskirche. Derselbe Name umfasst auch einen weit über die deutschen Landesgrenzen hinaus reichenden Bezirksapostelbereich, zu dem weitere Gebietskirchen mit rund 450.000 Mitgliedern zählen.

In Europa sind das die neuapostolischen Gemeinden in Albanien, Belgien, Frankreich, Georgien, Griechenland, Kosovo, Lettland, Litauen, Luxemburg, Malta, Niederlande, Portugal, Türkei und Zypern. Über die europäischen Grenzen hinaus gehören auch neuapostolische Christen in Asien, Afrika sowie Süd- und Mittelamerika dazu. Allein in Angola (Afrika) beträgt die Mitgliederzahl etwa 270.000.

Ehrenamtliche Seelsorger

Bis auf wenige hauptamtliche Amtsträger verrichten die Geistlichen der Neuapostolischen Kirche ihren Dienst ehrenamtlich, also ohne Bezahlung neben ihrem Beruf. Alle kirchlichen Handlungen und Segnungen, zum Beispiel Taufen, Trauungen oder Beerdigungen, werden unentgeltlich ausgeführt.

Den Schwerpunkt der kirchlichen Aktivitäten bilden die Gottesdienste und die persönliche Seelsorge. Daneben engagiert sich die Neuapostolische Kirche im Rahmen ihrer Möglichkeiten auch im sozialen Bereich.

Mit ihrem Leitbild "Dienen und Führen" bietet die Neuapostolische Kirche eine einheitliche Grundlage für jeden Dienst innerhalb der Kirche. Es ist für alle verbindlich und soll dem Einzelnen helfen, durch christliche Nächstenliebe, gegenseitiges Verständnis und Wertschätzung zur Einheit der Kirche und der Gemeinschaft beizutragen.

Soziale Projekte

Zu den kirchlichen Aktivitäten der Neuapostolischen Kirche zählt neben persönlicher Seelsorge und Gottesdiensten auch das Engagement im sozialen Bereich. Im Rahmen ihrer Möglichkeiten finanziert und unterstützt die Neuapostolische Kirche Westdeutschland zahlreiche soziale und humanitäre Projekte.

Dazu zählen das Projekt "Jugend bewegt", das Seniorenzentrum "Haus Löhnbachtal" in Fröndenberg und das Mehrgenerationenprojekt "Gute Hoffnung" in Oberhausen. Außerdem fördert die Neuapostolische Kirche Westdeutschland das Neuapostolische Sozial- und Bildungswerk e.V. (SBW) mit Sitz in Recklinghausen.

Weitreichende humanitäre Projekte wickelt die Kirche über "NAK-karitativ" ab, das Hilfswerk der Neuapostolischen Kirchen Deutschlands mit Sitz in Dortmund.

Darüberhinaus gibt es in Gemeinden und Bezirken eine Fülle von sozialem Engagement in Zusammenarbeit mit anderen christlichen Kirchen, den örtlichen Tafeln und ortspolitischen Einrichtungen.

Finanzierung

Die Neuapostolische Kirche erhebt keine Kirchensteuern, sondern finanziert sich durch freiwillige und anonyme Spenden ihrer Mitglieder. Die Zuwendungen können anonym in die Opferkästen in den Kirchensälen eingelegt oder als Spende auf ein Konto der Kirche überwiesen werden. Ob oder wie viel jemand gibt, wird nicht kontrolliert.

Die Kirche ist bestrebt, mit einem möglichst kleinen Verwaltungsapparat auszukommen. Der weitaus größte Teil der Einnahmen fließt in den Bau und Unterhalt der Kirchengebäude, kommt also unmittelbar wieder den einzelnen Gemeindemitgliedern zugute. Auch für die Missionstätigkeit wird ein beträchtlicher Teil des Kirchenbudgets aufgewandt.

Darüber hinaus erbringt die Kirche humanitäre Leistungen und unterstützt Hilfsaktionen in Katastrophenfällen. Die Kontrolle der kirchlichen Einnahmen und Ausgaben werden von unabhängigen Wirtschaftsprüfern vorgenommen.

Detaillierte Auskünfte zum Thema Finanzen dokumentiert die Neuapostolische Kirche in ihrem regelmäßig veröffentlichten Jahresbericht.