Am Sonntag, dem 9. November 2025, feierte die Gemeinde Offenbach einen besonderen Gottesdienst: Evangelist Patrick Kneisel, Vorsteher der Gemeinde, leitete den Gottesdienst, in dem die Geschwister Brigitte und Manfred Schmelz den Segen zur Goldenen Hochzeit erhielten. In einer feierlichen und zugleich herzlichen Atmosphäre kamen zahlreiche Gemeindemitglieder und Gäste zusammen, um gemeinsam Dank und Freude über fünfzig Ehejahre des Jubelpaares zu teilen.
In seinem Eingangsgebet brachte Evangelist Kneisel zunächst Lob, Dank und Anbetung vor Gott. Er erinnerte daran, dass alle Hilfe, alles Gute und alle Bewahrung aus der Hand des himmlischen Vaters kommen. Gott sehe jeden einzelnen Menschen in seiner jeweiligen Lebenssituation – ob mit Freude und Dankbarkeit oder mit Sorgen und Ängsten. Der Vorsteher bat darum, dass alle Anwesenden ihr Herz öffnen und Ruhe finden können, um Gottes Wort aufzunehmen.
Dem Gottesdienst lag das Wort aus Matthäus 25, Vers 40 zugrunde: „Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.“ Mit diesem Wort leitete Evangelist Kneisel in das zentrale Thema des Gottesdienstes ein: gelebte Nächstenliebe. Zuvor hatte der Chor mit dem Lied „Gott ist die Liebe“ den feierlichen Rahmen geschaffen.
Der Vorsteher sprach davon, dass die Liebe die stärkste Kraft sei, die es überhaupt gebe. Eine Kraft, die Hindernisse überwinde und Menschen miteinander verbinde. Diese göttliche Liebe sei es, die Gott täglich neu jedem Einzelnen entgegenbringe: „Er neigt sich zu uns, begleitet uns und sagt uns immer wieder: Ich habe dich lieb.“
Praktizierte Liebe statt theoretischer Glaube
Ausgehend vom biblischen Text über das Weltgericht erläuterte Evangelist Kneisel, dass Gott sich in besonderer Weise mit den Schwachen, Bedürftigen und Leidenden identifiziere. „Was ihr getan habt, einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan“ – dieses Wort hebe den Glauben auf eine ganz praktische Ebene. Es komme nicht darauf an, theologisches Wissen anzusammeln oder Bibelverse auswendig zu können, sondern den Glauben im täglichen Handeln zu zeigen.
Er machte deutlich, dass die Beispiele Jesu – Hunger stillen, Durst löschen, Fremde aufnehmen und Kranke oder Gefangene besuchen – weit über das rein Körperliche hinausgehen. Auch geistiger Hunger, seelische Krankheit oder innere Gefangenschaft seien in unserer Zeit weit verbreitet. Jeder könne hier im eigenen Umfeld etwas beitragen: „In jedem Nächsten, der uns begegnet, können wir Jesus Christus begegnen.“
Er rief die Gemeinde dazu auf, den Glauben praktisch zu leben – mit offenen Augen und Herzen sowie helfenden Händen. „Wer einem Bedürftigen hilft, hilft Christus selbst“, so der Vorsteher. Es gehe nicht darum, jedem Bedürftigen ausschließlich materiell helfen zu können, sondern in der Haltung der Liebe und des Mitgefühls zu handeln – nach dem Vorbild Jesu, der nicht nur das Evangelium predigte, sondern auch stets konsequent danach handelte.
"Ein Gottesdienst für Praktiker"
Im anschließenden Predigtbeitrag sprach Priester Dennis Schwittay davon, dass die Liebe alles verändern könne – sofern der Mensch sie zulasse. Mit Blick auf das Goldpaar zitierte er den 50. Psalm, Vers 14: „Opfere Gott Dank und erfülle dem Höchsten dein Gelübde.“ Dankbarkeit sei das Gebot der Stunde – sowohl für das Jubelpaar, das auf fünfzig gemeinsame Jahre zurückblicken dürfe, als auch für die Gemeinde, die täglich Grund zum Danken habe.
Priester Schwittay erinnerte an das Konfirmationsgelübde, in dem sich die Gläubigen dem Wesen Jesu Christi verschreiben: „Dem Nächsten in Liebe zu begegnen, das ist unsere Aufgabe.“ Er machte deutlich, dass es nicht auf übermenschliche Stärke ankomme, sondern auf die Bereitschaft, mit den eigenen Kräften zu handeln – so, wie es der Richter Gideon im Alten Testament tat. „Geh hin in dieser deiner Kraft“, habe Gott ihm gesagt. So sei auch heute jeder aufgerufen, im Rahmen seiner Möglichkeiten Gutes zu tun. Liebe sei nicht nur ein Gefühl, sondern ein Auftrag, der täglich neu verwirklicht werden müsse.
An diese Gedanken schloss Priester Gerald Dittus an, der den Gottesdienst als „Gottesdienst für Praktiker“ bezeichnete. Er unterstrich in seinem Predigtbeitrag das Jahresmotto „Es ist Zeit, Gutes zu tun“ und erinnerte an das Vorbild von Mutter Teresa, deren selbstlose Liebe aus der Verbindung mit Gott herrührte. Diese Liebe, so Priester Dittus, sei unerschöpflich: „Gott können wir anzapfen, so viel wir wollen – und es wird nie weniger.“
Vorbereitung auf das Heilige Abendmahl
Im weiteren Verlauf bereitete Evangelist Kneisel auf die Sündenvergebung und die Feier des Heiligen Abendmahls vor. Er erinnerte daran, dass Jesu Opfer aus Liebe für alle Menschen gebracht wurde. Die Voraussetzung, um diese Gnade zu empfangen, sei die Bereitschaft zur Vergebung. „Lasst uns vergeben, wie Jesus vergeben hat“, so der Vorsteher.
Segenshandlung zur goldenen Hochzeit
Nach dem Heiligen Abendmahl folgte die Segenshandlung zur Goldenen Hochzeit von Brigitte und Manfred Schmelz.
Evangelist Kneisel blickte mit persönlichen Worten auf das Leben des Jubelpaares zurück: auf die kirchliche Trauung und die Silberhochzeit in der vormaligen Gemeinde Dietzenbach, auf gemeinsame Erlebnisse, Herausforderungen und die vielen Jahre gelebter Liebe und Glaubenstreue. Dankbarkeit sei das Leitmotiv dieses Tages: Dankbarkeit füreinander, für Gottes Führung und Bewahrung – und für die gemeinsame Zeit in der Gemeinde Offenbach, in die das Paar nach der Schließung der Gemeinde Dietzenbach herzlich aufgenommen wurde und in der sich das Ehepaar Schmelz vielfältig einbringe.
Als Bibelwort für das Jubelpaar wählte der Vorsteher den bekannten Vers aus Psalm 107, 1 „Danket dem Herrn, denn er ist freundlich, und seine Güte währet ewiglich.“ Er erinnerte daran, dass auch das Alltägliche – das gemeinsame Aufwachen, das gegenseitige Tragen von mancherlei Belastungen, das stille Miteinander – ein Grund zum Dank sei. Trotz mancher Prüfungen habe das Ehepaar immer auf Gottes Führung vertraut. Nun möge Gott ihren Bund neu segnen und sie auch in Zukunft in Liebe und Treue leiten.
Nach einem kurzen Gebet spendete Evangelist Kneisel dann den Segen zur Goldenen Hochzeit im Namen des dreieinigen Gottes. Er sprach den Wunsch aus, dass Gott die Gedanken des Paares lenke, ihre Herzen leite und ihre Liebe zueinander immer wieder erneuere. Mit den Worten „Der Segen Gottes begleite euch. Der Friede des Auferstandenen sei mit euch.“, schloss er die Segenshandlung.
Dank und Ausklang
Danach gratulierte der Vorsteher Brigitte und Manfred Schmelz zu diesem besonderen Jubiläum. „Ihr habt gemeinsam fünfzig Jahre mit Vertrauen, Geduld und Liebe gemeistert – das ist ein Geschenk Gottes“, sagte er.
Im Schlussgebet brachte Evangelist Kneisel den Dank der Gemeinde zum Ausdruck – für das Wort Gottes, für den erlebten Segen und für das Beispiel gelebter Nächstenliebe. Der Gottesdienst, so sagte er, sei „eine Praxisanleitung“ gewesen: ein Aufruf, den Glauben im Alltag zu leben und dem Nächsten so zu begegnen, wie Christus es vorgelebt hat.
Mit dem Schlusssegen endete dieser besondere Gottesdienst in Offenbach – erfüllt von Dankbarkeit, Freude und dem Bewusstsein, dass gelebte Liebe die größte Kraft ist.
11. November 2025
Text:
Patrick Kneisel
Fotos:
Andreas Wagner
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