Ein besonderer Gottesdienst erwartete die Gemeinde Schlüchtern am Sonntag, 13. September 2026: Dagmar und Priester i. R. Bernd Köhler erhielten den Segen zu ihrer Goldenen Hochzeit. Gemeinsam mit Familie, Freunden und der Gemeinde blickten sie auf 50 gemeinsame Ehejahre zurück. Im Mittelpunkt des Gottesdienstes standen Dankbarkeit, Glaube und die Frage, was es bedeutet, Jesus Christus im Alltag Raum zu geben.
Evangelist Andreas Vogel, Vorsteher der Gemeinde Schlüchtern, stellte das Wort aus der Apostelgeschichte 5,42 in den Mittelpunkt: „Und sie hörten nicht auf, alle Tage im Tempel und hier und dort in den Häusern zu lehren und zu predigen das Evangelium von Jesus Christus.“
Die Apostel hätten sich trotz Widerstand nicht davon abbringen lassen, von ihrem Glauben zu erzählen. Selbst nach Gefängnis und Auspeitschung hätten sie ihren Weg fortgesetzt. „Ich gehe fröhlich, weil ich meinen Glauben bekennen konnte“, formulierte Evangelist Vogel ihre Haltung.
Daraus entwickelte er eine Frage für die Gegenwart: Wie viel Raum erhält der eigene Glaube im täglichen Leben? Nicht jeder müsse dabei große Schritte machen. „Fang doch mal klein an“, lautete sein Rat.
Ein Anfang könne darin bestehen, sich bewusst Zeit für Gott zu nehmen. Evangelist Vogel nannte als Beispiel zehn Minuten am Tag: Beten, ein Kapitel der Bibel lesen oder sich einfach bewusst auf Gott ausrichten. „Gönn dem ewigen Gott doch mal zehn Minuten deiner kostbaren Zeit.“
Glaube im Alltag
Auch der persönliche Umgang mit Zeit wurde zum Thema des Gottesdienstes. Priester Tobias Manfrahs griff den Gedanken in seinem Predigtbeitrag auf. Jeder Mensch habe täglich 24 Stunden zur Verfügung. Die Frage sei, wofür diese Zeit eingesetzt werde.
Arbeitszeit, Schlaf, digitale Medien und das Streben nach materieller Sicherheit nähmen einen großen Teil des Tages ein. „Wo liegt deine Priorität?“, fragte Priester Manfrahs. Entscheidend sei, die eigene Zeit bewusst einzusetzen und dabei auch das eigene Glaubensleben nicht aus dem Blick zu verlieren.
Der Gottesdienst erinnerte zugleich daran, dass christlicher Glaube nicht auf den Sonntag beschränkt sei. Gebet und Glauben sollten auch zu Hause ihren Platz haben. Priester Manfrahs verwies dabei auf das gemeinsame Gebet als Ehepaar und Familie.
Dankbar zurückblicken
Für Dagmar und Bernd Köhler war der Gottesdienst vor allem ein Anlass, dankbar auf die vergangenen fünf Jahrzehnte zu blicken. Evangelist Vogel erinnerte an die Dankbarkeit des Ehepaares für seine Familie, für Kinder und Enkel sowie für die gemeinsame Zeit.
Auch der gemeinsame Weg innerhalb der Kirche wurde angesprochen. Priester i. R. Bernd Köhler hatte über viele Jahre einen Dienst übernommen und sich in der Seelsorge engagiert. Dagmar habe diesen Dienst mitgetragen – auch dann, wenn er mit Zeitaufwand und Verzicht verbunden war.
„Nicht für uns. Nicht damit wir glänzen können. Für Jesus Christus“, beschrieb der Evangelist die dahinterstehende Haltung.
Eine gemeinsame Reise
Eine weitere Verbindung fand Evangelist Vogel im Thema Reisen. Das Ehepaar hatte von unterschiedlichen Vorstellungen berichtet: Für den einen beginnt die Reise bereits mit der Fahrt, während der andere möglichst schnell am Ziel sein möchte. Gerade solche Unterschiede könnten sich im gemeinsamen Leben ergänzen.
Evangelist Vogel griff dazu ein Wort aus der Bibel auf: „Der Herr hat Gnade zu eurer Reise gegeben.“ Diese Gnade habe das Paar auf seinem bisherigen Weg begleitet und möge auch für die kommende Zeit gelten.
Auch das Gold der 50-jährigen Ehe wurde zum Bild: Es sei weich und zugleich beständig. Beides wünschte Evangelist Vogel dem Jubelpaar – ein empfindsames Herz füreinander und für andere Menschen, verbunden mit Beständigkeit auch dann, wenn äußere Einflüsse das gemeinsame Leben belasten.
Segen für den weiteren Weg
Nach dem Heiligen Abendmahl standen Dagmar und Priester i. R. Bernd Köhler noch einmal im Mittelpunkt. In der Mitte der Gemeinde empfingen sie den Segen zu ihrer Goldenen Hochzeit.
Dabei wurde nicht nur auf die vergangenen 50 Jahre zurückgeblickt. Der Segen richtete den Blick auch nach vorn: auf die weitere gemeinsame Zeit, auf die Familie und auf den Glaubensweg.
Jesus Christus möge dem Paar weiterhin Kraft geben, einander zuzuhören, zu vergeben und füreinander da zu sein – „in guten wie in schweren Tagen“. Freude, Liebe, Güte, Demut und Freundlichkeit sollten das gemeinsame Leben weiterhin prägen.
Mit guten Wünschen für den Festtag verabschiedete Evangelist Vogel das Jubelpaar: „Lasst euch den Tag heute so richtig versüßen von euren Lieben und lasst euch feiern, ihr habt es verdient.“
Für die Gemeinde Schlüchtern blieb damit ein Gottesdienst in Erinnerung, der zwei Dinge miteinander verband: den dankbaren Blick auf 50 gemeinsame Ehejahre und die Ermutigung, den eigenen Glauben auch im Alltag lebendig zu halten.
26. September 2026
Text:
Andreas Vogel
Fotos:
Thorsten Peter
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