Mittwoch der 25. Februar 2026, draußen ein kühler Abend in Schlüchtern. Drinnen im Kirchenraum herrscht eine wohltuende Wärme – nicht nur durch die Heizung, sondern durch die spürbare Erwartung der Gemeinden. Wie jede Woche sind die Gläubigen der Gemeinden Bad Brückenau und Schlüchtern zum gemeinsamen Wochentagsgottesdienst zusammengekommen. Als Apostel Gerd Kisselbach den Altar betritt, liegt bereits eine Atmosphäre der Sammlung in der Luft. Das Eingangslied (GB 222, Preiset Gott, denn Gott ist Liebe) klingt noch nach, als er das Gebet beginnt – dankbar, anbetend, persönlich.
Schon im Eingangsgebet wird deutlich, worum es an diesem Abend gehen soll: um die Größe Gottes und um die wohltuende Erfahrung seiner Nähe. Apostel Kisselbach spricht von der Kirche als einem „Rastplatz“, an dem Menschen aus dem Alltag einkehren dürfen. Ein Ort, um zur Ruhe zu kommen, Gemeinschaft zu erleben und den Blick neu auszurichten – hin auf die Wiederkunft Christi und die ewige Gemeinschaft mit Gott.
Er bittet um Frieden für die, die aus einem bewegten Tag kommen. Um Stille im Inneren. Um neue Hoffnung, neue Freude. Seine Worte sind getragen von seelsorgerlicher Erfahrung – wissend, dass hinter jedem Gesicht eine eigene Geschichte steht: Sorge, Krankheit, Trauer, Unsicherheit. Die Gemeinde vertraut er Gott an – ebenso die weltweit dienenden Apostel, mit denen er sich im Gebet verbunden weiß.
Perspektivwechsel im Gottesdienst
Das Bibelwort, als Grundlage für diesen Gottesdienst, entnimmt der Apostel dem zweiten Kapitel des Jakobusbriefes:
„Wenn ihr das königliche Gesetz erfüllt nach der Schrift: ‚Liebe deinen Nächsten wie dich selbst, so tut ihr recht.‘ (Jakobus 2,8). Mit diesem Wort diente Stammapostel Jean-Luc Schneider am Sonntag zuvor in Plauen/Vogtland. Ein Satz schlicht formuliert – und doch von großer Tragweite.
Der Gottesdienst wurde von einem Chor musikalisch mitgestaltet. Nach dem Verlesen des Bibelwortes trug er ein Lied vor, in dem die Größe Gottes besungen wurde.
Apostel Kisselbach lädt die Gemeinde ein, zunächst auf den eigenen Tag zu blicken: Was war heute „groß“? Für die einen vielleicht die Schule, für andere der Arbeitsplatz, für manche eine Sorge um die Gesundheit oder das Weltgeschehen. Vieles drängt sich in den Vordergrund. Doch im Gottesdienst geschieht ein Perspektivwechsel: „Da wird uns wieder bewusst, wie groß Gott ist.“
Dieser Gedanke durchzieht den Abend wie ein roter Faden. Gottes Größe relativiert menschliche Sorgen – nicht indem sie sie kleinredet, sondern indem sie sie in einen größeren Zusammenhang stellt.
Glaube, der sichtbar wird
Der Apostel zeichnet kurz das Bild des Jakobus – Bruder des Herrn, Vorsteher der Gemeinde in Jerusalem. Sein Anliegen: ein Glaube, der sich im Leben zeigt. Nicht nur Bekenntnis, sondern Tat.
Jakobus warnt davor, Menschen nach äußeren Maßstäben zu bewerten – damals nach Reichtum, heute vielleicht nach Status, Fähigkeiten oder Auftreten. Apostel Kisselbach überträgt diesen Gedanken in die Gegenwart: Bewunderung für Begabungen sei durchaus erlaubt. Doch im Umgang miteinander dürfe es keine Unterschiede geben. Maßstab bleibe die Liebe.
Dabei erinnert er an die Worte Jesu aus der Bergpredigt und aus dem Johannesevangelium: Wir sollen einander so begegnen, wie wir selbst behandelt werden möchten – ja mehr noch, so wie Christus uns liebt.
Von Gottes Liebe – und der Liebe zu sich selbst
Ein bemerkenswerter Teil der Predigt widmet sich der Frage: Wie stehen wir eigentlich zu uns selbst?
In einer Leistungsgesellschaft werde der Wert eines Menschen oft an Erfolgen gemessen. Wer nur zum Beispiel bei den Olympischen Spielen knapp das Siegertreppchen verpasst, fühlt sich als Verlierer – obwohl er zur Weltspitze gehört. In sozialen Medien dominierten perfekte Bilder. Schwäche habe dort keinen Platz.
Dem stellt der Apostel die bedingungslose Liebe Gottes entgegen. Gott liebt nicht aufgrund von Leistung. Nicht wegen besonderer Fähigkeiten oder Verdienste. Er liebt, weil er Vater ist.
Diese göttliche Liebe dürfe zum Maßstab für den eigenen Umgang mit sich selbst werden. Sich nicht ständig vergleichen. Sich nicht abhängig machen von Meinungen anderer. Sondern leben im Bewusstsein: Gott liebt mich, wie ich bin.
Daraus erwachse auch Verantwortung – achtsam mit dem eigenen Leben umzugehen, mit Seele, Geist und Leib. Und – ein Gedanke, der die Gemeinde schmunzeln lässt – sich „etwas zu gönnen“. Die Empfehlung des Stammapostels, die der Apostel weitergibt, lautet: „Gönnen wir uns das ewige Leben.“ Der Preis? Das Bemühen, den „alten Adam“ abzulegen.
Liebe, die weitergeht
Aus der Beziehung zu Gott und zu sich selbst wächst die Liebe zum Nächsten. Jeder Mensch ist Geschöpf Gottes, von ihm geliebt, für ihn ist Christus gestorben. Diese Erkenntnis verändert den Blick: auf den vertrauten Mitmenschen ebenso wie auf den Fremden.
Gerade mit Blick auf den bevorstehenden Gottesdienst für die Entschlafenen weitet sich das Thema. Fürbitte wird als Ausdruck der Liebe verstanden – getragen vom Vertrauen in Gottes Barmherzigkeit. Was das Gebet in der jenseitigen Welt bewirkt, weiß niemand genau. Doch der Apostel zitiert den Stammapostel mit einem persönlichen Gedanken: Wenn für mich gebetet wird, spüre ich das – warum sollte es einer Seele in der Ewigkeit anders gehen?
Die Gemeinde wird ermutigt, füreinander zu beten – im Wissen um die Freuden und Lasten der anderen. Freude teilen, wenn es gut geht. Mittragen, wenn jemand leidet. „Lasst uns nicht aufhören“, appelliert er.
Predigtbeitrag von Priester Stefan Sann
Nach einem weiteren Liedbeitrag des Chores – der die Größe Gottes musikalisch unterstreicht – tritt Priester Stefan Sann, Vorsteher der Gemeinde Bad Brückenau an den Altar.
Er knüpft persönlich an die Frage des Apostels an: Was war heute groß? Mit einem Augenzwinkern nennt er seine „Frühstückstasche“. Doch dann wird er ernst. Groß sei für ihn die Bereitschaft der Geschwister gewesen, teils weite Wege auf sich zu nehmen, um den Gottesdienst zu besuchen.
Das Bild des „Rastplatzes“ greift er auf und erweitert es. Von Autobahnraststätten berichtet er – manche voller Unrat, andere gepflegt und einladend. Daraus entwickelt er einen eindrücklichen Vergleich: Auch Gemeinden müssten gepflegt werden. Frei gehalten von „Müll“, der sich im Alltag ansammelt – von Unbedachtheit, Lieblosigkeit, negativen Gedanken.
„Lasst uns unser Kirchlein sauber halten“, sagt er. Das sei nicht nur für das Hier und Jetzt wichtig, sondern eine „Trainingseinheit für die Ewigkeit“.
Gemeinde schön halten – eine geistliche Aufgabe
Apostel Kisselbach greift diesen Gedanken auf. Aus seiner Erfahrung weiß er, wie belastend ungelöste Konflikte sein können. Manchmal reichten sie Jahre, ja Jahrzehnte zurück – „geerbte Themen“, die weitergetragen würden, obwohl niemand sie wirklich brauche.
Hier setzt die Liebe an, von der zuvor gesprochen wurde. Sie sieht das Gute im anderen – ohne blind zu sein für Schwierigkeiten. Sie gibt Kraft zur Versöhnung. Sie hilft, „die Steine fallen zu lassen“, die man so leicht in die Hand nimmt, wenn man Fehler entdeckt.
Mit seelsorgerlicher Sensibilität macht der Apostel deutlich: Wer traumatische Erfahrungen gemacht habe, für den seien Fragen der Vergebung oft komplex. Solche Geschwister lädt er ausdrücklich zum persönlichen Gespräch ein. Doch im alltäglichen Miteinander gelte: Bemühen wir uns um Versöhnlichkeit. Es lohnt sich – weil es dem Willen Christi entspricht.
Praktisch erlebbare Liebe Gottes
Mit der Feier des Heiligen Abendmahls wird die Predigt zur Erfahrung. „Jetzt können wir eine Praxiseinheit erleben“, sagt der Apostel – Gottes Liebe in Brot und Wein, in Gnade und Frieden.
In würdiger Stille empfängt die Gemeinde das Sakrament. Der Gedanke bleibt: Gottes Liebe ist nicht Theorie. Sie ist erlebbar, mitten an einem Mittwochabend.
Dank und Ausblick
Im Schlussgebet weitet sich der Blick erneut: Kinder, Jugendliche, Berufstätige, Senioren, Trauernde, Alleinlebende – für alle wird um Segen gebetet. Auch die kirchliche Leitung wird eingeschlossen, ebenso der kommende Gottesdienst für die Entschlafenen und der angekündigte Besuch des Stammapostels im Bezirk Offenbach.
Als der Segen gesprochen ist, bleibt ein Eindruck zurück: Dieser Abend war mehr als eine Zusammenkunft in der Wochenmitte. Er war Erinnerung und Auftrag zugleich. Erinnerung daran, wie groß Gottes Liebe ist. Auftrag, diese Liebe im Umgang miteinander sichtbar werden zu lassen.
Beim Hinausgehen wirken viele Gespräche nach – leise, freundlich, zugewandt. Vielleicht ist genau das ein Zeichen dafür, dass die Worte ihr Ziel erreicht haben: Die Gemeinde als gepflegter Rastplatz – ein Ort, an dem man gerne verweilt.
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