Nach langer, krankheitsbedingter, Zeit, besuchte Bischof Jürgen Kramer am Sonntag, 2. August 2026 die Neuapostolische Kirchengemeinde in Schlüchtern, Die Gemeinde Bad Brückenau war zu diesem Gottesdienst nach Schlüchtern eingeladen.
Der Bischof legte dem Gottesdienst das Bibelwort: aus Habakuk 2,20: „Aber der HERR ist in seinem heiligen Tempel. Es sei stille vor ihm alle Welt!“
„Es sei Stille vor ihm“
„Der Herr ist in seinem heiligen Tempel. Es sei Stille vor ihm, alle Welt.“ Dieses Wort aus dem Propheten Habakuk gab dem Gottesdienst am Gemeindesonntag in Schlüchtern seine Richtung. Bischof Jürgen Kramer sprach über die Kirche Christi, über die sichtbare und unsichtbare Welt – und über eine Stille, die weniger mit Lautstärke als mit der inneren Haltung des Menschen zu tun hat.
Die Kirche Christi
Schon im Eingangsgebet wurde deutlich, worum es an diesem Sonntag gehen sollte: um die Begegnung mit Gott. Bischof Kramer erinnerte daran, dass Menschen zunächst das wahrnehmen, was sichtbar ist – die Menschen um sie herum, ihre Freude und ihre Sorgen, Gesundheit oder Krankheit. Die unsichtbare Welt bleibe dagegen verborgen.
Doch zur Kirche Christi gehöre mehr als das, was sich unmittelbar erkennen lässt. Sie umfasse die Gemeinschaft der Getauften und derer, die an Jesus Christus glauben und ihn bekennen. Diese Kirche sei eine, heilig, allumfassend und apostolisch.
Die sichtbare Kirche dagegen sei immer auch von menschlichen Grenzen geprägt. „Wir sehen nur das Sichtbare“, stellte der Bischof fest. Gerade deshalb dürfe man menschliche Schwächen nicht mit dem Wesen der Kirche Christi gleichsetzen. Der Heilige Geist wirke auch in einer sichtbaren, unvollkommenen Kirche.
Daraus leitete der Bischof eine konkrete Aufgabe für die Gemeinde ab: Jeder könne dazu beitragen, dass das Heilige sichtbar werde. Machtkämpfe, Vergleiche und Spaltungen könnten den Blick auf das Wesentliche verstellen. „Lasst uns aktiv dazu beitragen, dass das Große groß bleibt“, sagte er.
Stille, die im Herzen beginnt
Dann rückte das zweite Element des Bibelwortes in den Mittelpunkt: die Stille.
Dabei ging es ausdrücklich nicht darum, dass Kinder während des Gottesdienstes vollkommen ruhig sein müssten. Die eigentliche Unruhe entstehe häufig an anderer Stelle – in den Gedanken und Herzen der Erwachsenen.
Sorgen, Erwartungen, eigene Vorstellungen und die Beschäftigung mit dem, was im Alltag belastet, könnten so viel Raum einnehmen, dass für Gott kaum noch Platz bleibe.
„Gott ist gegenwärtig“, erinnerte er die Gemeinde. Der Gottesdienst sei deshalb kein gewöhnlicher Termin im Kalender. Jesus Christus sei zwar nicht sichtbar anwesend, aber dennoch gegenwärtig.
Diese Gegenwart verlange keine äußere Perfektion. Vielmehr gehe es um die innere Haltung: innehalten, wahrnehmen, still werden.
„Auch dafür ist Jesus gestorben“
Priester Dietmar Klingelhöfer griff diesen Gedanken in seinem Predigtbeitrag auf. Er sprach von der Sehnsucht nach Gott und verglich sie mit Heimweh. Wenn die Sehnsucht nach Gott so groß werde, dass sie im Herzen spürbar sei, könne darin die eigene Verbundenheit mit der Kirche Christi und mit Gott erfahrbar werden.
Der Bischof nahm den Gedanken anschließend wieder auf und ergänzte eine weitere Dimension. Nicht nur die eigenen Sorgen könnten laut werden. Auch die Erinnerung an eigene Fehler und Schuld könne einen Menschen innerlich anklagen.
Dabei verwies er auf den Gedanken, dass Jesus Christus nicht nur allgemein „für die Menschheit“, sondern auch für die ganz persönlichen Fehler eines Menschen gestorben sei.
„Sei still, sei still. Ich bin für dich und auch genau dafür bin ich gestorben“, formulierte er den Gedanken.
Diese Gewissheit könne helfen, nicht an der eigenen Schuld zu zerbrechen. Nach der Sündenvergebung feierte die Gemeinde gemeinsam das Heilige Abendmahl.
Ein Lied mit einer besonderen Geschichte
Eine kleine Unstimmigkeit beim anschließenden Lied führte schließlich zu einem ungeplanten Teil der Predigt. Ein Teil der Gemeinde sang eine andere Strophe als vorgesehen. Der Bischof griff den Moment auf und erzählte die Geschichte von Horatio Spafford.
Der amerikanische Geschäftsmann hatte 1873 bei einem Schiffsunglück seine vier Töchter verloren. Als er später mit dem Schiff über die Unglücksstelle fuhr, bat er den Kapitän, ihn an den Ort des Untergangs zu bringen. Dort entstand der Text des später bekannten Liedes „Wenn Friede mit Gott meine Seele durchdringt“.
Für den Bischof wurde diese Geschichte zum Beispiel dafür, dass der Glaube auch in schwersten Situationen nicht verloren gehen müsse. „Es ist mir trotz allem wohl im Herrn, weil er bei mir ist“, fasste er den Gedanken zusammen.
Ein besonderer Gottesdienst
Der Gottesdienst hatte für Bischof Kramer auch eine persönliche Bedeutung. Nach 19 Monaten Abwesenheit hatte er am 1. Juli erstmals wieder einen Gottesdienst gehalten. Die Frage, ob er nach dieser langen Zeit noch alles „drauf“ habe, habe ihn vor diesem ersten Dienst beschäftigt.
Mit dem Beginn des Gottesdienstes sei diese Sorge jedoch verschwunden. „Wir haben begonnen in dem Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes – und ab dann war da etwas anderes.“
Zum Abschluss dankte er der Gemeinde für die gemeinsame Feier und besonders für die Atmosphäre während des Gottesdienstes. Auch die Kinder seien für ihn dabei keineswegs störend gewesen. „Es sind mitunter so wir, die wir unruhig werden“, sagte er.
So blieb am Ende der Gottesdienstgedanke vom Anfang: Stille bedeutet nicht Abwesenheit, sondern Raum für die Gegenwart Gottes.
„Es sei Stille vor ihm, alle Welt.“
Musikalisch wurde der Gottesdienst vom Gemeindechor mitgestaltet.
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