An diesem Sonntagmorgen lag eine besondere Atmosphäre über der Kirche im Kinzigtal. Schon beim Eintreten spürte man: Heute ist mehr als „nur“ Gottesdienst. Blumen schmückten den Altar, viele Glaubensgeschwister und Familienmitglieder waren angereist – und in allen Herzen mischten sich Dankbarkeit, Vorfreude und eine leise Erwartung auf das, was Gott heute schenken würde.
Priester Marcus Möll, der Gemeindevorsteher, stellte den Gottesdienst unter das Bibelwort aus dem Lukasevangelium:
„Und wenn er es gefunden hat, so legt er es sich auf die Schultern voller Freude … Freut euch mit mir; denn ich habe mein Schaf gefunden, das verloren war.“ (Lukas 15,5–6)
Eingangsgebet
Im Gebet dankte Priester Möll Gott für Bewahrung, für Gesundheit, für Glauben – und dafür, dass diese Kirche ein Ort der Zuflucht und Kraftquelle für die Seele ist. Besonders bewegend war der Gedanke, dass alle eingebettet sind in Gottes Erlösungswerk. Nicht wir tragen alles – wir werden getragen.
Gleichzeitig war dieser Gottesdienst auch Vorbereitung auf den kommenden Entschlafenengottesdienst. Der Blick ging also über den heutigen Tag hinaus in die Ewigkeit. Und schließlich feiern wir gemeinsam das Fest der Goldenen Hochzeit – 50 Jahre gemeinsamen Weges unter Gottes Segen.
„Er will hundert Prozent“
Priester Möll führte in das Gleichnis vom verlorenen Schaf hinein. Er erinnerte daran, dass Jesus dieses Gleichnis als Antwort auf Kritik der Pharisäer erzählte: Warum kümmert er sich um Sünder? Warum geht er gerade denen nach?
Die Antwort Jesu ist klar: Weil jeder Einzelne zählt.
Besonders ansprechend war der Vergleich mit dem sogenannten „Pareto-Prinzip“ an – 80 Prozent reichen, die restlichen 20 sind zu aufwendig. In vielen Lebensbereichen mag das funktionieren. Aber nicht bei Jesus. Er begnügt sich nicht mit 99 von 100. Er sucht das eine, das fehlt. Gott rechnet nicht in Effizienz, sondern in Liebe. Für ihn ist niemand verzichtbar. Auch wenn wir uns manchmal verirrt fühlen – in der „Wüste des Lebens“, wie es der Vorsteher nannte – bleibt er nicht stehen. Er geht nach. Und er trägt.
Besonders eindrücklich war die Beschreibung: Das Schaf kehrt nicht aus eigener Kraft zurück. Der Hirte legt es sich auf die Schultern. Ein starkes Bild für das Opfer Jesu Christi. Er trägt unsere Schuld. Er bringt uns heim. Jeder mag sich fragen: Wo brauche ich dieses Getragen werden? Wo bin ich vielleicht innerlich ein Stück abgedriftet? Und bin ich bereit zur Umkehr – auch wenn sie Kraft kostet?
Freude über jeden Einzelnen
Das Gleichnis endet mit einem Fest. Freude im Himmel über einen, der zurückfindet. Dieser Gedanke verbindet sich wunderbar mit dem kommenden Entschlafenengottesdienst. Auch dort geht es um Heimkehr, um Gnade, um Freude – nicht nur hier, sondern auch in der jenseitigen Welt.
Und dann ist da noch das heutige Fest: 50 Jahre Ehe. Auch darüber sollte Freude sein – nicht nur im Familienkreis, sondern in der ganzen Gemeinde. Denn gelebter Glaube im Alltag, über Jahrzehnte hinweg, ist ein sichtbares Zeugnis für Gottes Treue.
Predigtbeitrag von Priester Andreas Rust
Priester Rust knüpfte an das Bild vom Schaf auf den Schultern Jesu an. Er beschrieb das Begrüßungsbild des Tages – Christus mit dem Schaf im Arm. Und er sagte mit einem Lächeln: Vielleicht möchte ein echtes Schaf wieder herunter.
Er sprach von der „Sonne Jesu Christi“, die in uns strahlt – und mit einem Augenzwinkern auch von der italienischen Sonne, die das Goldpaar mitbringt. Wer die beiden kennt, weiß, was er meinte: Herzlichkeit, Wärme, Freude.
Ein besonderer Schwerpunkt lag auf dem Heiligen Abendmahl. Die Hostie – so schlicht sie aussieht – wird durch Gottes Wirken zur Realpräsenz Christi. In diesem Sakrament wächst die „neue Kreatur“ in uns. Priester Rust lud uns ein, das Abendmahl bewusst als Neuanfang zu erleben: vergeben, verzeihen, neu beginnen.
Jeder Gottesdienst darf ein kleines Fest sein – weil Gott in unserer Mitte ist.
Ansprache zur Goldenen Hochzeit
Nach der Sündenvergebung und der Feier des Heiligen Abendmahles folgte die Segensspendung zur Goldenen Hochzeit. Geschwister Prestifilippo wurden herzlich willkommen geheißen.
Als Leitwort für den weiteren Weg wählte der Vorsteher einen Vers aus dem Römerbrief:
„Denn wer mit dem Herzen glaubt, wird gerecht; und wer mit dem Munde bekennt, wird selig.“ (Römer 10,10).
Herzensglaube und Bekenntnis – das war spürbar das Fundament dieser Ehe. Nicht nur ein inneres Zusammenhalten, sondern gelebter Glaube im Alltag, in Fleiß, Treue und Familienzusammenhalt.
Segen zur Goldenen Hochzeit
Der Segen wurde gespendet im Namen des dreieinigen Gottes – mit dem Wunsch, dass ihr Glaube weiter Frucht trägt in Kindern und Enkeln und dass alle das ewige Ziel nicht aus den Augen verlieren.
Es war ein feierlicher Moment, still, würdevoll und voller Dankbarkeit.
Nach dem Schlussgebet und Schlusssegen sang der Chor das Wunschlied des Goldpaares: „Der Herr ist mein Licht“ aus der Chormappe Nummer 162. Geschwister Prestifilipo nahmen im Anschluß die Glück-und Segenswünsche der Gemeinde entgegen.
26. Februar 2026
Fotos:
Eberhard Momberger
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