Im Gottesdienst am 31. Mai 2026 in der Neuapostolischen Kirche Kinzigtal standen die Dreieinigkeit Gottes, die Liebe zum Nächsten und ein alltagstauglicher Glaube im Mittelpunkt. Priester Daniel Kopp und die Mitwirkenden vor Ort gestalteten eine Feier, die geistliche Tiefe mit persönlichen und lebensnahen Impulsen verband.
Trinitatis – Dreieinigkeit Gottes
Mit dem Lied „Auf dem Weg zu Gott ist Platz genug“ eröffnete der Chor der Gemeinde den Gottesdienst. Schon zu Beginn war damit ein Gedanke gesetzt, der sich wie ein roter Faden durch den gesamten Vormittag zog: Bei Gott ist Raum für jeden Menschen.
Im Rahmen des Bezirksämteraustausches besuchte Priester Daniel Kopp, Vertreter des Bezirksvorstehers aus dem Bezirk Hersfeld-Lauterbach, die Gemeinde. Gemeinsam mit den Mitwirkenden vor Ort gestaltete er einen Gottesdienst, der die Dreieinigkeit Gottes in den Mittelpunkt stellte und zugleich sehr lebensnah aufzeigte, was christliche Nachfolge im Alltag bedeuten kann.
Kein Kapazitätsproblem bei Gott
Im ersten thematischen Schwerpunkt wurde deutlich: Wer an Gott glaubt, und ihm nachfolgt, hat bei ihm einen festen Platz. Die Gemeinde wurde eingeladen, über die eigene Nachfolge nachzudenken: Wie nah sind wir Jesus Christus tatsächlich? Gehen wir bewusst mit ihm durch den Alltag, oder entfernen wir uns mitunter von ihm, ohne es zu merken?
Nachfolge, so wurde herausgestellt, zeigt sich ganz konkret:
- Dranbleiben
- Den Willen Gottes erkennen
- Gottesdienste besuchen und Gemeinschaft pflegen
- Gebet
Dabei wurde auch eine Erfahrung angesprochen, die viele Menschen kennen: das Gefühl, allein zu sein oder von Gott nicht wahrgenommen zu werden. Dem wurde die tröstliche Gewissheit gegenübergestellt, dass Gott seinen Standpunkt nicht verändert und den Menschen nicht verlässt. Wenn Distanz entsteht, dann meist deshalb, weil der Mensch sich von Gott entfernt. Umso klarer lautete die Ermutigung: dranbleiben.
Trinitatisfest- Fest der Dreieinigkeit Gottes
Im weiteren Verlauf des Gottesdienstes richtete sich der Blick auf das Trinitatisfest selbst. Die Dreieinigkeit Gottes bleibt ein Geheimnis des Glaubens: Vater, Sohn und Heiliger Geist – drei Personen und doch der eine Gott. Dieses Geheimnis wurde nicht theoretisch erklärt, sondern in seiner Bedeutung für das Glaubensleben erschlossen.
Besonders eindrücklich wurde auf den liturgischen Schlusssegen verwiesen, mit dem jeder Gottesdienst endet. Dieser Segen, den bereits Apostel Paulus der Gemeinde in Korinth zugesprochen hatte, wurde als ein Ausdruck der vollen Zuwendung Gottes beschrieben. Durch die Gnade Jesu Christi erfährt der Mensch die unverdiente Nähe Gottes; die durch Sünde beschädigte Beziehung zwischen Gott und Mensch kann wieder heil werden.
Ebenso wurde die Liebe Gottes als tragende Zusage hervorgehoben: Gott ist gegenwärtig, er geht mit und begleitet. Diese Liebe verbindet und schafft die Grundlage dafür, dass die Gnade Christi im Menschen wirksam werden kann.
Ein weiterer Gedanke galt der Gemeinschaft des Heiligen Geistes, die Gläubige nach neuapostolischem Verständnis mit der Heiligen Versiegelung empfangen. Die Gemeinde wurde eingeladen, diesem Geist bewusst Raum zu geben – nicht nur als Glaubenssatz, sondern als sichtbar gelebte Wirklichkeit, die auch für den Nächsten erkennbar wird.
Keine Sonntagschristen- sondern Alltagschristen
Aus dieser Botschaft ergab sich eine klare Konsequenz für das tägliche Leben: Christsein darf sich nicht auf den Sonntag beschränken. Die Frage nach der Liebe zum Nächsten wurde sehr direkt gestellt – und damit auch die Frage, wie glaubwürdig der eigene Glaube im Alltag sichtbar wird.
Der Schlusssegen wurde deshalb nicht nur als liturgischer Abschluss verstanden, sondern als etwas, das bewusst aufgenommen und in die neue Woche mitgenommen werden soll.
So entstand das Bild eines „lesbaren Briefes Jesu Christi“ – eines Lebens also, in dem Glaube, Liebe und Gemeinschaft nicht nur verkündet, sondern sichtbar gelebt werden.
Co-Predigt: Diakon Tobias Schölzel
In seiner Co-Predigt griff Diakon Tobias Schölzel den Gedanken der gelebten Gottesnähe auf und verband ihn mit einer persönlichen Erfahrung. Trotz witterungsbedingter Schwierigkeiten habe ihn ein kurzes Gebet schließlich doch den Weg mit dem Moped in den Gottesdienst finden lassen. Seine Schilderung machte deutlich, dass der Glaube nicht fern vom Alltag steht, sondern gerade in konkreten Situationen Kraft, Wege und neue Möglichkeiten schenken kann. Wer Gott Raum gibt, so seine Botschaft, darf immer wieder erleben, dass Gemeinschaft trägt und Gott neue Chancen eröffnet.
Co-Predigt: Priester Andreas Rust
Priester Andreas Rust knüpfte daran an und lenkte den Blick auf Gottes Antworten im Alltag. Er erinnerte daran, dass rund um einen Gottesdienst vieles vorbereitet wird und dennoch nicht immer alles nach Plan verläuft. Gerade in solchen Momenten stelle sich die Frage, ob der Mensch Gottes Antwort erkennt – oder ob er sich nur über das Unerwartete ärgert. Auch darin zeige sich, wie nah man Jesus tatsächlich ist.
Besonders bewegend war seine Erinnerung an eine Trauerfeier, die er wenige Tage zuvor gehalten hatte. Dort sei spürbar geworden, wie prägend die Liebe eines Menschen für eine Familie sein kann. Diese Beobachtung führte zurück zur zentralen Aussage des Gottesdienstes: Über allem steht die Liebe Gottes.
Diese Liebe, so wurde ausgeführt, begegnet den Gläubigen immer wieder neu – in der Sündenvergebung, im Heiligen Abendmahl und im Segen. Menschen dürfen mit allem, was sie bewegt, zu Gott kommen. Der Gedanke, den Schlusssegen als bleibende und zärtliche Zuwendung Gottes zu verstehen, verlieh diesem Gottesdienst für viele Anwesende eine besonders persönliche Tiefe.
Zugabe vor der Sündenvergebung durch Priester Daniel Kopp
Mit einem anschaulichen Vergleich vor der Sündenvergebung griff Priester Daniel Kopp ein Bild aus dem Straßenverkehr auf. Wer viel mit dem Auto unterwegs ist, kennt Verwarnungen, Briefe und Einträge. Bei Gott jedoch, so seine Zusage, gibt es keine „Sünderdatei“.
Sünden würden nicht gesammelt oder gespeichert, sondern getilgt und vergeben. Zugleich wurde betont, dass diese Vergebung nicht zur Gleichgültigkeit führen darf, sondern den Menschen zur Buße und zu einem bewussteren Leben anregen soll.
Es folgten die Sündenvergebung, die Feier des Heiligen Abendmahls und der Schlusssegen.
Musikalisch wurde der Gottesdienst vielfältig gestaltet: Orgel- und Gemeindegesang, Klavier, Chor mit Lesung, sowie Beiträge mit Klavier und Saxophon verliehen der Feier einen würdigen und zugleich lebendigen Rahmen.
4. Juni 2026
Text:
Astrid Körner
Fotos:
Annika Brückner
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