Am Sonntag, dem 26. Juli 2026 fand der Jugendgottesdienst des Bezirks Offenbach in einem ganz besonderen Ambiente zu einer etwas ungewohnten Uhrzeit statt. Unter freiem Himmel und strahlendem Sonnenschein versammelten sich die Jugendlichen, Konfirmanden und Jugendbeauftragten um 11:30 Uhr im Garten des Bezirksjugendbetreuers Priester Matthias Bäzner. Als Sakristei diente kurzerhand deren gemütliche Küche.
Bezirksevangelist Jens Schölzel leitete den Gottesdienst und wurde durch Beiträge von Priesterin Natascha Wagner und Diakonin Silvia Noll unterstützt.
Gemeinsam beten – gemeinsam gestärkt werden
Bereits im Eingangsgebet richtete Bezirksevangelist Jens Schölzel den Blick auf die Lebenswirklichkeit der Jugendlichen. Er sprach von schulischen Herausforderungen, familiären Sorgen, Konflikten im Freundeskreis und dem persönlichen Glaubenskampf. Gleichzeitig machte er deutlich, warum die Gemeinde zusammengekommen war: Gott im Gottesdienst bewusst den ersten Platz einzuräumen und daraus neue Kraft für den Alltag zu schöpfen.
Unser Bezirksevangelist legte seiner Predigt das Bibelwort aus Apostelgeschichte 4,31 zugrunde: „Und als sie gebetet hatten, erbebte die Stätte, wo sie versammelt waren; und sie wurden alle vom Heiligen Geist erfüllt und redeten das Wort Gottes mit Freimut.“
Vom Erlebten erzählen
Ausgehend von diesem Bibelwort stellte Bezirksevangelist Schölzel die Frage, was Christen heute daran hindert, offen über ihren Glauben zu sprechen. Anders als die ersten Christen müsse heute niemand Verfolgung fürchten. Dennoch falle es vielen schwer, den Glauben zum Thema zu machen. Dabei gehe es nicht darum, andere mit Argumenten oder vorgefertigten Antworten zu überzeugen.
„Die ersten Christen haben erzählt, was sie mit ihrem Gott erlebt haben.“
Wer von etwas begeistert sei – etwa von einem Konzert oder einem besonderen Erlebnis –, erzähle ganz selbstverständlich davon. Genauso könne auch der persönliche Glaube weitergegeben werden: authentisch und aus eigener Erfahrung.
Gebet verändert
Ein weiterer Gedanke zog sich wie ein roter Faden durch die Predigt: Die ersten Christen beteten gemeinsam um Mut. Dieses gemeinsame Gebet habe ihnen Kraft gegeben.
Jens Schölzel machte deutlich, dass auch heute das Gebet der Ausgangspunkt sei.
„Bitte Gott um eine Gelegenheit und um den Mut, im richtigen Moment das Richtige zu sagen.“
Dabei gehe es nicht um außergewöhnliche Zeichen. Vielmehr bewege Gottes Geist zunächst das Herz des Einzelnen. Wer sich darauf einlasse, werde erleben, dass Gott Türen öffnet.
Ein persönliches Erlebnis
Wie sich solche Situationen ergeben können, schilderte der Bezirksevangelist anhand einer eigenen Erfahrung aus seiner Jugend.
Während einer Tagung in Hamburg wollte er einen Gottesdienst besuchen, verirrte sich jedoch auf dem Weg zum Gotteshaus. In einem Waschsalon fragte er dann einen Mann nach dem Weg. Dieser war überzeugt, dass es in der von Jens Schölzel genannten Straße keine Kirche gebe, da er seit vielen Jahren dort wohne. Er bot aber an, dort selbst nachzusehen und fuhr mit ihm dorthin. Tatsächlich befand sich am Ende der Straße die gesuchte Kirche.
Für Schölzel wurde diese Begegnung zu einer Glaubenserfahrung.
„Für mich warst du ein Engel. Ohne dich wäre ich nicht in den Gottesdienst gekommen.“
Für ihn zeigte dieses Erlebnis, dass Gott Wege bereiten kann, wenn Menschen bereit sind, sich führen zu lassen.
„Kumi und Ori“ – Aufstehen und leuchten
Im zweiten Teil seiner Predigt griff Schölzel zwei hebräische Begriffe auf, die ihn bei der Vorbereitung beschäftigt hatten: „Kumi“ und „Ori“.
„Kumi“ bedeute: Steh auf.
„Ori“ bedeute: Leuchte.
Beides gehöre zusammen. Wer für seinen Glauben einstehen wolle, müsse zunächst selbst aufstehen – also bewusst den ersten Schritt tun und Gott vertrauen. Das Leuchten komme dagegen nicht aus eigener Kraft.
„Der liebe Gott braucht niemanden, der für ihn glänzt. Er gibt sein Licht in uns hinein.“
Nicht die eigene Persönlichkeit oder Überzeugungskraft stehe im Mittelpunkt, sondern Gottes Wirken.
Glauben im Alltag sichtbar machen
Priesterin Natascha Wagner knüpfte diesen Gedanken auf. Begeisterung für den Glauben zeige sich nicht zuerst in theologischen Erklärungen oder im Wissen über die Kirche.
Vielmehr beginne das Zeugnis dort, wo Christen aufmerksam füreinander seien: einem Menschen zuhören, ihn ermutigen oder gemeinsam beten.
„Wenn es jemandem schlecht geht und du fragst: ‘Was ist los? ’“ – das berührt.
Auch sie hob die Bedeutung des gemeinsamen Gebets hervor. Nicht nur im Gottesdienst, sondern auch bei Begegnungen im Alltag könne gemeinsames Beten eine besondere Kraft entfalten.
Kleine Schritte können viel bewirken
Diakonin Silvia Noll ergänzte den Gottesdienst mit einer eigenen Erfahrung aus ihrer Ausbildungszeit.
Während eines Lehrgangs beobachtete sie einen Kollegen, der vor jeder Mahlzeit selbstverständlich betete. Dieses einfache und unaufdringliche Bekenntnis habe ihr selbst den Mut gegeben, offener zu ihrem Glauben zu stehen. Kurz darauf fragte sie eine Mitschülerin nach ihrem Gottesdienstbesuch und begleitete sie schließlich in einen Gottesdienst.
Für Silvia Noll zeigte dieses Erlebnis, dass oft schon kleine Veränderungen der eigenen Haltung andere Menschen neugierig machen.
Musikalisch wurde der Gottesdienst durch einen kleinen Jugendchor, der von einigen Jugendbeauftragten unterstützt wurde, unter der Leitung des Bezirksjugendbeauftragten Matthias Bäzner gestaltet.
Kraft aus dem Heiligen Abendmahl
Zum Abschluss führte Bezirksevangelist Schölzel den Gedanken wieder auf das Heilige Abendmahl zurück. Die Kraft, aufzustehen und zu leuchten, komme letztlich nicht aus eigener Anstrengung, sondern aus der Gemeinschaft mit Christus.
In Vorbereitung auf das Heilige Abendmahl wurde ein Liedtext vorgetragen, dessen zentrale Aussage lautete:
„Ich danke dir, dass du mich kennst und trotzdem liebst.“
Mit dieser Zusage leitete Schölzel in das gemeinsame Vaterunser, die Sündenvergebung und die Feier des Heiligen Abendmahls über. Seine abschließende Bitte lautete, dass Gott den Jugendlichen Mut schenken möge, ihren Glauben im Alltag sichtbar werden zu lassen – getragen von der Gewissheit, dass Christus sie kennt, liebt und begleitet.
Nach dem Gottesdienst saßen alle in geselliger Runde beisammen und genossen die zahlreichen leckeren Steaks und Würstchen, die Priester Bäzner mit Hingabe und Leidenschaft für alle gegrillt hatte. Das vielfältige Büfett wurde durch zahlreiche mitgebrachte Salate, Snacks und Kuchen aus den Reihen der Teilnehmer gefüllt. Für das leibliche Wohl war bestens gesorgt und für den Durst standen bei den hohen Temperaturen selbstverständlich auch gekühlte Getränke bereit.
Beim gemeinsamen Essen nutzten die Jugendlichen die Gelegenheit für intensive Gespräche und Gemeinschaft.
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